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Hameln und die Rattenfänger

Natürlich können wir nicht über Hameln schreiben, ohne den Rattenfänger zu erklären. Obwohl nach Auskunft vom Tourismusbüro 1 Millarde Menschen die Geschichte kennen und lieben und auch in Japan jedes Grundschulkind den Stoff schon auswendig lernt. Nach Gerüchten soll es in Hameln eine grosse Kuhle geben, in der von einem Erdrutsch die Kinder verschüttet worden sind. Das ist aber doch etwas unwahrscheinlich, denn wahrscheinlich ist folgendes passiert: Im Jahr 1284 ist eine große Zahl junger Bürger aus Hameln ausgewandert nach Brandenburg. Das ist alles, was ein Historiker erzählen kann, ohne dass er dabei ins Schwitzen kommt. Und dann hat der Volksmund dazu gerechnet den Kinderkreuzzug im 13. Jahrhundert.

Legenden

Schon hatten wir die armen Kinder, die verschwunden sind. Bleiben uns noch die Ratten, die ja gar nicht auf Musik reagieren, wer will kann das gern mal probieren. Es soll auch nie in Hameln eine Rattenplage gegeben haben. Schauen wir uns in Deutschland um, finden wir noch mehr Rattenjagden oder Mäuseprobleme, in Legenden. Und dann schauen wir uns eine echte Ratte an zum Beispiel in einem Zoo und dann sehen wir, wie intensiv sie kaut. Und so sind dann die hungernden Kinder oder genau genommen die Nestbeschmutzer Jugendlichen, die nach Brandenburg flohen, statt mit den einheimischen Bürgern zu Hungern und die Sage ist fertig: Plage von Menschen die Hunger haben, symbolisiert durch die Ratten, dann kommt Musik das ist wohl der Trommler, der Arbeit in der Fremde auf dem Marktplatz verspricht und schon ist die Geschichte fertig.

Ein prächtiges Rattenfängerhaus

Und weil sie ja bis heute fleißig weitererzählt ist und die Moral so schön passt, gibt es das auch als Theaterstück und als Film. Neben dem geschlossen wirkenden historischen Stadtkern, ein Spaziergang lohnt sich, bietet Hameln auch ein prächtiges Rattenfängerhaus, ein wunderschönes Hochzeitshaus aus dem 17. Jahrhundert, natürlich mit Rattenfängerglockenspiel und das legendäre Dempter Haus. Die Pfortmühle ist die letzte Wassermühle aus dem 15. Jahrhundert an der Weser. Früher gab es jede Menge von diesen Mühlen und weil wohl heute kaum ein Mensch noch Mühlen braucht, trotz Zerstörung wurde die Pforzmühle immer wieder aufgebaut. Jetzt im 21. Jahrhundert wird die Mühle allerdings nicht mehr wirtschaftlich nicht genutzt, sondern Besucher leihen sich dort Bücher aus oder trinken einen  Tee darin. Mühlen waren nicht ungefährlich, es kam immer wieder zu Staubexplosionen, die auch einige andere Mühlen in Hamelnvernichtet haben.

Münsterkirche St. Bonifatius

Im Stadtwappen und in der Altstadt finden wir die Münsterkirche St. Bonifatius. Schon im 8. Jahrhundert wurde mit dem Bau begonnen und immer wieder wurde die Kirche zerstört oder die Bürger haben sie zerfallen lassen und wieder aufgebaut, das ist an den unterschiedlichen Baustilen noch gut zu erkennen. Zwischendurch diente die heutige Kirche auch als Stall. Die Kirche hat ihren Namen daher, dass Reliquien vom heiligen Bonifaz dort aufbewahrt werden. Das ist interessant, weil die Kirche ja eigentlich evangelisch ist. Ende des 20. Jahrhunderts ist die Kirche umfangreich saniert worden. Der Architekt hat die unterschiedlichen Baustile, die kaum zusammenpassen, genutzt, um damit eine optische Tiefe zu erreichen, dass die Kirche im Inneren viel länger und tiefer wirkt als sie eigentlich ist. Und so wenn Sie im Restaurant in Hameln bestellen, dann werden Sie auch nicht das bekommen, was dieWorte eigentlich versprechen. Probieren Sie mal "Flambierte Rattenschwaenze".

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